Etwas ganz Besonderes
Der Titel von Eva Lobischs drittem Spielfilm - »Etwas ganz Besonderes« - lädt zu vielen Referenzierungen ein. Ist der Film nun etwas ganz Besonderes, oder handelt er von etwas ganz Besonderem? Beinahe das Gegenteil ist der Fall. Im Zentrum steht eine Patchwork-Familie, in der jeder sein eigenes Paket zu tragen hat und niemand besonders heraussticht. Matze (Max Riemelt) und Rieke (Gina Henkel) haben sich getrennt und ziehen ihre beiden Kinder ohne offen ausgetragenen Beef auf, obwohl in Riekes Leben schon ein neuer Mann (Florian Lukas) getreten ist. Oft kommt die ganze Familie bei den Großeltern Christl (Rahel Ohm) und Friedrich (Peter René Lüdicke) zusammen, die in einer thüringischen Kleinstadt eine abgelegene Pension und Gaststätte betreiben, die kurz vor dem Bankrott steht. Auch Kati (Eva Löbau), die Schwester von Matze, ist in die Heimat zurückgekehrt, um dort als Museumsleiterin das Stadtschloss in einen neuen Kulturraum zu verwandeln. Die 17-jährige Tochter von Matze und Rieke, Lea (Frieda Hornemann), hat sich bei einer Castingshow beworben, wird in Vorbereitung auf den Wettbewerb gefragt, was nun das Besondere an ihr ist, und gerät dabei ins Stocken. Genau da liegt die Kraft des Films: Er zeigt, dass es eine Art Anmaßung wäre zu sagen „Ich bin besonders, weil …“. Stattdessen sind es die vielen Facetten, welche die eigene Persönlichkeit formen, so auch die Familie und die dahinter stehenden ostdeutschen Biografien. Erzählerisch offen und dabei nicht narrativ geradlinig führt Trobisch, die auch das Drehbuch schrieb, uns in diese Familie ein, die einerseits besonders ist, andererseits aber auch viele Familien repräsentiert. »Etwas ganz Besonderes« handelt von Träumen und dem Realitätsabgleich, ist gleichzeitig aber ein starkes Porträt des ehemaligen ostdeutschen Raums und der Wunden, die dort immer noch verheilen müssen.
Doreen
Buch: Eva Trobisch
Regie: Eva Trobisch
Darsteller: Frida Hornemann, Max Riemelt, Eva Löbau, Peter René Lüdicke, Rahel Ohm, Gina Henkel, Florian Lukas
Kamera: Adrian Campean
Musik: Teho Teardo
Produktion: Trimafilm, Komplizen Film
Bundesstart: 09.07.2026
Start in Dresden:
FSK: o.A.