Verflucht Normal
Wenn John Davidson (Scott Ellis Watson) im Jahr 2019 von Queen Elisabeth persönlich mit dem Orden des British Emire ausgezeichnet wird und er dies lauthals mit einem „Fuck The Queen“ quittiert, hat der fünfzigjährige Tourette-Patient ein halbes Leben voller irrwitziger und trauriger Begebenheiten hinter sich gebracht. Alles begann, als der 12-jährige John plötzlich kleine Tics entwickelte, deren Herkunft ihm völlig schleierhaft erschienen. Ein Junge, der unvermittelt um sich schlägt, spuckt oder Derbheiten in den Unterricht ruft, unterläuft erst einmal alle üblichen disziplinarischen Bestrafungen. Das Krankheitsbild Tourette ist in der schottischen Kleinstadt Galashiels nahezu unbekannt. Eben noch war der talentierte Junge Anführer seiner Fußballmannschaft, jetzt grölen dem „ Spasti“ alle nur noch hinterher, er solle sich verpissen, oder sperren ihn in den Schrank. John erwischt das Tourette-Syndrom in seiner ganzen Härte, eben auch mit all den vokalen Obszönitäten, die seltener bei Patienten ausgeprägt sind als die körperlichen Tics. Die Ehe seiner Eltern scheitert daran und erst nach Johns Suizidversuch wird allen Beteiligten das Ausmaß seiner seelischen Not klar. 1996 lebt John bei seiner Mutter, flucht sich so durch, vollgestopft mit Medikamenten und Einsamkeit. An einem Tag trifft er auf Menschen, die ihn und sein Leiden akzeptieren, und die eine Begrüßung, wie „lass uns Sex haben“, sportlich nehmen. Am nächsten auf welche, die ihn verprügeln oder verklagen, weil sie in seinen Tics Beleidigungen sehen. Großes Glück hat John mit dem Hausmeister Tommy (Peter Mullan), bei ihm im Gemeindezentrum darf er zu arbeiten anfangen und kocht dort seinen berühmten „mit Wichse statt mit Milch-Tee“. Tommy boxt ihn vor Gericht raus und erklärt ihm, dass die Gesellschaft noch immer falsch reagiere, weil ihr die Wahrnehmung fehle für diese seltene Krankheit. Also beginnt John im Gemeindezentrum mit anderen Betroffenen Gespräche und Workshops zu veranstalten und hält Vorträge an Schulen und Polizeistationen, um das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen.
alpa kino
Buch: Kirk Jones
Regie: Kirk Jones
Darsteller: Robert Aramayo, Maxine Peake, Peter Mullan, Shirley Henderson, Scott Ellis Watson
Kamera: James Blann
Musik: Stephen Rennicks
Produktion: Tempo Productions, One High Story
Bundesstart: 28.05.2026
Start in Dresden: 28.05.2026
FSK: ab 12 Jahren