Dolly
Wer bei dem Namen „Dolly“ erst mal an ein geklontes Schaf denkt oder die Country Legende: Chapeau, fällt einem zuerst eine aufblasbare Puppe ein: Schande über ihr Haupt. Denn »Dolly« ist einer dieser Horrorfilme, die schon vorweg ein unangenehmes Kribbeln im Nacken auslösen. Und zwar nicht wegen Blut oder billiger Jumpscares, sondern wegen der uralten Wahrheit: Puppen sind einfach creepy. Egal ob Porzellan, Plastik oder Plüsch, sie starren immer ein bisschen zu lange. Das kann ich aus erster Hand berichten, so hat eine alte Arbeitskollegin meiner Mutter ein komplettes Wohnzimmer voll dieser Monster. Regisseur Rod Blackhurst weiß das ganz genau und nutzt es gnadenlos aus. Im Zentrum steht Macy (Fabianne Therese), die in einem heruntergekommenen Haus gefangen wird und dort auf eine puppenhafte Entführerin trifft. Deren Familienbild ist so verzerrt, dass selbst Chucky höflich Abstand halten würde. Unterstützt wird das Ganze von Tiberius Film und mehreren US Indie Studios, die sich offenbar vorgenommen haben, die Grenze zwischen Grindhouse Retro und modernem Puppenalbtraum neu zu vermessen. Besonders spannend: Seann William Scott taucht hier in einer ungewohnt ernsten Rolle auf. Für viele bleibt er für immer „Stiffler“, Sohn seiner Mutter. Um so reizvoller, ihn jetzt in einem Film zu sehen, der keinerlei Teeniehumor zulässt und stattdessen tief in psychologischen Horror eintaucht. Ein kleiner, schmutziger, wunderbar unangenehmer Horrortrip. Perfekt für alle, die Puppen sowieso nie trauten und denen, die erstmal überzeugt werden müssen.
José
Buch: Rod Blackhurst, Brandon Weavil
Regie: Rod Blackhurst
Darsteller: Fabianne Therese, Seann William Scott, Kate Cobb, Eve Blackhurst, Ethan Suplee, Max The Impaler
Kamera: John Blazzi
Musik: Rod Blackhurst
Bundesstart: 11.06.2026
Start in Dresden: 11.06.2026
FSK: ab 18 Jahren