TRAILER

London

Dokudrama, Österreich 2025, 128 min

Im Panorama-Programm der Berlinale tummeln sich Filme, die schwer in Schubladen zu pressen sind. In diesem Jahr feierte dort der Spielfilm »London«, der zuweilen sehr dokumentarisch anmutet, seine Weltpremiere. Der österreichische Regisseur Sebastian Brameshuber begleitet in seinem Film den älteren Lebenskünstler Bobby (Bobby Sommer) auf dessen regelmäßigen Autofahrten zwischen Wien und Salzburg. In Salzburg besucht dieser einen alten Freund im Krankenhaus und nimmt dafür immer wieder die 300 km lange Strecke in Kauf. Um etwas Geld zu sparen, sucht er jedes Mal Mitfahrer:innen, mit denen er dann oft ins Gespräch kommt. Manchmal bleiben die Gespräche an der Oberfläche, aber hin und wieder entsteht eine unverbindliche Nähe, in der Themen wie der verpflichtende Wehrdienst, das Leben in Österreich, das Älterwerden und die eigene Verantwortung zur Sprache kommen. Dem Regisseur Sebastian Brameshuber ist ein Bravourstück gelungen, in dem er die mitgebrachten Fertigkeiten aus dem Dokumentarischen hier wunderbar in einen Spielfilm übersetzt. Dabei ist das Publikum der dritte Beifahrer und sieht die Landschaften und vor allem die Straßen ebenso an sich vorüberziehen, während es den Gesprächen lauscht, die überraschend in die Tiefe gehen, aber durch ihre Kurzlebigkeit eine große Unverbindlichkeit besitzen. Das Gefühl, mit Fremden zu sprechen und dabei auch etwas zu gewinnen, vermittelt der Film grandios. Auch zeigt er das Unterwegssein nicht als übertriebenen, nur spaßigen Roadtrip, sondern als Notwendigkeit und findet dann sogar darin die Schönheit, die man selbst in langen Autofahrten zwischen Raststätten und Ausfahrten entdecken mag. Der Film hat ebenso keine Angst vor Stille und gibt dem Gehörten Platz, sich zu entfalten. So schuf Brameshuber mit »London« einen Film, der lange mitschwingt und dazu einlädt, sich mal wieder mit jemand Fremdem zu unterhalten.
Doreen