Diskurs Europa 2: Can’t Help Being Human
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Das Programm „Can’t Help Being Human“ vereint sechs zeitgenössische lettische Kurzfilme, die die Spannungen zwischen privaten Impulsen und gesellschaftlichen Erwartungen, zwischen Innenleben und den Rollen, die wir spielen, beleuchten. Die Auswahl bewegt sich zwischen Fiktion, Dokumentarfilm und Animation und zeigt, wie Menschen mit Verletzlichkeit, Sehnsucht und Verantwortung umgehen – oft durch kleine Rituale, Routinen und Gesten der Fürsorge.
Den Auftakt bildet der RĪGAS CERIŅI, in dem sich scheinbar beiläufige Gespräche über Gerüche zu unerwartet aufschlussreichen Begegnungen entwickeln. Zwischen ängstlichen Bürger:innen, überheblichen Behörden und vorbeikommenden Fremden zeigen die Schilderungen, wie etwas nicht Greifbares wie ein Duft Verlegenheit, Humor und stille Verletzlichkeit in sich tragen kann.
In CAN’T HELP MYSELF führt die Suche nach Verbundenheit entlang der Ostseeküste. Während sie Eis verkauft, taucht eine junge Frau in geführte Affirmationen und Fragmente mitgehörter Gespräche ein und probt Intimität in einer Landschaft, die von Ratschlägen, Zweifeln und Sehnsucht durchdrungen ist.
Eine dunklere Form der Routine prägt TĪRĪBA. Obwohl es sich um ein humorvolles Porträt eines von Hygiene besessenen Büroangestellten handelt, offenbart der Film eine zerbrechlichere emotionale Realität, in der sorgfältig gepflegte Rituale auf tiefere Ängste und Abhängigkeiten hindeuten.
Mit Blick auf das Kino selbst betritt 81 METRS während der Pandemie im Jahr 2021 Lettlands letzte noch erhaltene Kinosäle. Gedreht auf Super 8, reflektiert der Film über die Verletzlichkeit physischer Kinoräume und die kollektiven Erinnerungen, die sie weiterhin bewahren.
Fragen nach Disziplin und Pflicht tauchen in GUARD OF HONOUR auf, wo eine zeremonielle militärische Routine fortbesteht, selbst als eine Naturkatastrophe die Szene stört. Der einfache Akt, auf seinem Posten zu bleiben, wird sowohl absurd als auch still ergreifend.
Schließlich stellt KUR SAULĪTE NAKTI GUĻ? den modernen Arbeitsplatz als surreale Unternehmensmythologie dar. In fensterlosen Büros, bevölkert von erschöpften Manager:innen und Buchhalter:innen, tauchen seltsame Rituale und Fragmente von Folklore auf, als Wege, mit der Monotonie der heutigen Arbeitswelt fertig zu werden.
In diesen Werken verflechten sich Humor, Melancholie und stille Absurdität. Gemeinsam zeichnen sie ein Bild der Gegenwart, in der Menschen Routinen, Geschichten und kleine Gesten der Fürsorge schaffen – Wege, sich zu erden und dem Alltag einen Sinn zu geben. In Momenten der Unsicherheit werden diese Gewohnheiten zu Werkzeugen der Resilienz und helfen uns, uns in einer Welt zurechtzufinden, die nicht nur von persönlichen Zweifeln, sondern auch von den Lasten und Ängsten der aktuellen Zeit geprägt ist. Die Filme erinnern uns auf sanfte Weise daran, dass Menschsein bedeutet, ständig nach einer Verbindung, Sinn und Stabilität zu suchen, selbst wenn sich die Welt um uns herum unsicher anfühlt.